Sonntag, 16. März 2008

Ha det godt Oslo!

Liebe Leser meines Blogs!

Heute, an einem wunderschönen Sonntag werde ich die norwegische Hauptstadt verlassen. Ich habe Abschied genommen, von Freunden, vom Oslofjord und meinem Lieblingsort Aker Brygge. Gestern war der erste Tag, an dem man draußen in der Sonne sitzen konnte. Der Fjord hat gestrahlt, die Stadt war voller Leben und auch das Boot nach Bygdøy verkehrt nun wieder...

Mit meiner Abreise aus Oslo wird der Uschlu-Blog nun nur noch sporadisch aktualisiert. Ich überlege mir allerdings einen Regensburg-Blog zu starten.

Ha det godt Oslo! Ich freue mich auf Bayern!

Samstag, 15. März 2008

Die nordischen Pharaonen

Pharaonen in Ägypten wurden nach ihrem Tod prunkvoll beigesetzt. Kunstvoll wurden Sarkophage hergestellt, die Körper einbalsamiert und Grabkammer mit einem ganzer Hausstand eingerichtet. Oft wurden auch Sklaven dort mit eingesperrt.

Ähnlich kann man sich dies bei mächtigen Wikingern vorstellen. Anführer und wichtige Personen wurden damals in ihren Booten beerdigt. Dies geschah zum Beispiel nach dem Tod einer mächtigen Wikingerfrau, die im 24-Meter-langem und 5-Meter-breitem Oseberg-Schiff beigesetzt wurde. Auf diesem nordischen Schiff wurde eine Grabkammer, in der Form eines hölzernen Zeltes, errichtet. Darin wurde die Frau, auf ihrem Bett liegend, beigesetzt. Dazu bekam sie wahre Schätze mit ins Jenseits "geliefert". Die Wikinger glaubten nämlich, dass man im Tode vor den selben Herausforderungen stünde, wie im Leben. So wurde eine Magde mit beerdigt, Pferde wurden in der Grabkammer gefunden, dazu noch allerhand Ausstattung des Alltages, wie zum Beispiel Werkzeug, Küchengeräte und Lebensmittel.

Eindrucksvoll sind diese Schiffe, die noch vor ihrer Verwendung als Grabkammer, über Jahre verwendet wurden. Die Wikinger fuhren mit diesen Gefährten bis nach England, Island, Grönland, Amerika, Russland und ins Mittelmeer. Die Schiffe waren ganz flach und leicht gebaut, so dass sie schnell waren und sich auch in seichten Gewässern gut eigneten.

Freitag, 14. März 2008

Holmenkollen

Den Stars meiner Kindheit bin ich am vergangenen Sonntag am Osloer Holmenkollen begegnet, dem meist besuchten Touristenziel Norwegens. Beim World-Cup schwangen wir, ein paar deutsch-österreichische Freunde und ich, die norwegische und bayerische Flagge. Der Kälte und Nässe zu trotz, waren einige Leute hinauf zur traditionsreichen Sprungschanze gekommen. Doch bei weitem war der Andrang nicht so groß, als noch vor einigen Jahren. Damals sollen die Leute in Zelten vor dem Eingang übernachtet haben, um ein Ticket für 100 Kronen zu ergattern.
Wir hatten auch eines dieser billigen Tickets, mit dem man nicht ins Stadion darf. Doch aufgrund der geringen Anzahl von Besuchern, ist es uns später gelungen, ganz weit nach vorne zu dringen. Dort sahen wir dann Martin Schmitt vorbeilaufen, Simon Amann lächeln, Adam Malysz Autogramme schreiben und Noriaki Kasai vorbei stolzieren. Es war wieder ein wenig so, als wäre ich 12 Jahre alt und würde aufgeregt vor dem Fernseher sitzen...

Samstag, 8. März 2008

Mannen som elsket Yngve

Gestern habe ich mir im Kino Saga in Oslo "Mannen som elsket Yngve" angesehen. "Der Mann der Yngve liebte" heißt es auf Deutsch. Der Film, der im Jahr 1989 in Stavanger spielt, dreht sich um den Teenager Jarle, der in der coolsten Band der Schule spielt und mit Kathrine eine glückliche Beziehung führt. Sein Leben läuft die gewohnte Bahn, bis der Junge Yngve in die Klasse kommt. Jarle fühlt sich hingezogenen zu Yngve, der so anders ist, als die Kumpels um ihn herum. Auch Yngve empfindet mehr als Freundschaft für Jarle.

Dieser Film zeigt, wie Schwulsein eigentlich ist: Es ist weder leicht, noch eindeutig, noch abschreckend. Die "Gefühlsverwirrung", in zwei Menschen gleichzeitig verliebt zu sein, führt Jarle an den Rand der Verzweiflung. Er macht innere Kämpfe durch, gerät in Streit mit seinen Freunden, wehrt sich gegen seine eigenen Gefühle für Yngve und verliert am Schluss Band und Freundin. Auf der anderen Seite will er Yngve nahe sein und ihm gefallen.

Das Kinopublikum hat bei diesem Film schon seit Beginn sein Herz an Jarle und Yngve verloren, bangt und hofft, dass die zwei am Schluss dann doch zu sich finden.

Donnerstag, 6. März 2008

Der Flytoget - ein Vorbild für München?

Oslo, hat den Flytoget und was hat München? Eine S-Bahn, die circa eine Dreiviertelstunde zum Flughafen braucht. Und der Flytoget? Der braucht 19 Minuten, fährt alle 10 Minuten und hält ein bis kein Mal. Der Flytoget ist Norwegens einziger Schnellzug und wurde extra dafür gebaut, Passagiere so schnell und bequem wie möglich zum Flughafen zu bringen. Dieses Konzept ist aufgegangen. Jährlich nehmen etwa 4,9 Millionen Reisenden den Flytoget zum 66 Kilometer entfernten Flughafen.

Vielleicht braucht München einen Flytoget und keinen Transrapid.

Der Süden und der Norden

Der Norden steht mit dem Süden auf den Kriegsfuß und umkehrt - diesen Eindruck habe ich während meiner beiden Aufenthalte in Nord- und Südnorwegen bekommen. "Oslo ist keine schöne Stadt" habe ich im Norden oft gehört. Die Nordländer sind genauso der Meinung, dass die Menschen im Süden weniger offen und gastfreundschaftlich wären. "Wir fühlen uns anders", habe ich immer wieder gehört. Manchmal geht es auch über "anders" heraus. In vieler Hinsicht fühlen sich die Nordnorweger vergessen. Sie klagen über schlechte Straßen und eine Politik, die nur auf Ostnorwegen fokussiert ist.

Die Südnorweger hingegen empfinden Nordnorwegen und speziell die Finnmark als "keinen attraktives Gebiet zum Wohnen". Die Vorurteile beginnen bei "in der Finnmark haben die meisten Leute ein Alkoholproblem", gehen über "im Norden leben die meisten Menschen auf Kosten des Staates" bis hin zu "langweilig und ungemütlich". Darüber hinaus glauben viele, dass Nordnorweger besonders viel fluchen.

Ich kann vieles bestreiten und manches auch bestätigen. Ich habe zum Beispiel erst in Oslo, eineinhalb Jahre nach meinem Aufenthalt in Nordnorwegen, norwegische Flüche kennen gelernt. Darüber hinaus habe ich die Erfahrung gemacht, dass die Menschen in Oslo wesentlich mehr Alkohol trinken. Seit des Læstadianismus in Nordnorwegen trinken die meisten Menschen dort wenig Alkohol. Auch kommt mir der Norden viel offener und gastfreundschaftlicher vor. Oslo wirkt auf mich, wie viele Großstädte, hektisch und unpersönlich.

Sonntag, 27. Januar 2008

Ein englischer Gottesdienst

Es gibt wohl keine Institution der Welt, die in mehr Ländern vertreten ist, als die katholische Kirche. Auch hier, im protestantischen Norwegen, gibt es sie, die katholische Kirche St. Olav. Sie ist jedoch weniger ein Anlaufpunkt für Einheimische, denn nur etwa 46 000 Menschen in Norwegen sind katholisch. Das macht gerade ein Prozent der Landesbevölkerung aus.

In der St. Olav Kirke ist sprichwörtlich die Welt zuhause. Im Gottesdienst auf Englisch saß ich heute zwischen Lateinamerikanern, Südeuropäern und Asiaten. Eng auf eng saßen wir. Die Menschen standen in den Gängen bis zum Kirchenportal. Gerade noch konnte ich einen Platz ergattern.

Ich war beeindruckt von der Religiosität der Menschen und den mitreißenden, fröhlichen Liedern. Es spielte keine Orgel, sondern es gab Gitarren- und Trommelmusik, die die Sonne Afrikas in die St. Olavs Kirke holte. Wenn man Gott heute finden wollte, dann sah man ihn in jedem einzelnen dieser Menschen. Jeder davon hat sein eigenes Schicksal, das sie weit nach Oslo gebracht hat.

Genau diesen Menschen begegne ich Tag für Tag wieder in der Stadt - als Taxifahrer, als Putzkraft und als Servicekraft. Es war ein Gottesdienst auf Englisch.

Montag, 21. Januar 2008

Deutsche in Oslo

Ausgewanderte Deutsche in Norwegen zu erleben, ist wirklich einmalig. Im Norden Norwegens können es Menschen sein, die die Herausforderung suchen, individualistisch denken oder dem hektischen Leben der Großstadt entfliehen wollen. Diese Menschen tragen oft eine brennende Leidenschaft für den Norden in sich.

Nach Oslo zu ziehen, dafür gibt es wohl für Deutsche vor allem finanzielle Gründe. Die einen erhoffen für sich und für die Kinder eine besser Zukunft. "Mit Deutschland geht es bergab", hört man so manchmal sagen. Ja, die Auswanderung muss rechtfertigt werden.

Und dann gibt es noch die Deutschen, die mit Norwegern verheiratet sind und hier eine Familie gegründet haben. Manche sind glücklich in ihrer Situation, aber manche haben großes Heimweh und sind frustriert darüber, dass sie nie wieder zurück nach Deutschland kommen können.

Ich wurde neulich gefragt, ob ich aus ökonomischen Gründen hier sei. "Nein", sagte ich, "ich bin wegen den Menschen und der Natur hier."

Der Aufstand der Samen

Obwohl Oslo die größte Samen-Kommune Norwegens ist, trifft man die "Indianer des Nordens" eher selten in der Hauptstadt. Und wenn man sie trifft, dann ist es etwas ganz besonderes. Vergangene Woche lief der Film "Kautokeino opprøret" in den norwegischen Kinos an. Er handelt um den Aufstand der Samen 1852 gegen die norwegischen Kolonialherren. Der samische Regisseur Nils Gaup hat diese wahre Begebenheit verfilmt.

Diesen besonderen Film habe ich zusammen mit meiner samischen Freundin Henriette und ihrer Familie angesehen. Ihre Mutter trug die farbenfrohe Kautokeino-Tracht und war damit ein echter Exot. Die Rentierlederschuhe, der rote Hut und das blaurote Kleid erschienen wie aus einer anderen Welt. Aus einer Welt, in der die Natur das Leben bestimmt, in der die Gemeinschaft im kleinen Kautokeino mit 3000 Einwohner noch zählt. Noch vor 30 Jahren hätte man Henriettes Mutter in kein Kaffee in Oslo hereingelassen. Erst seit gut 20 Jahren haben die Samen in Norwegen mehr Rechte. Doch die Diskriminierung hält zum Teil noch an.

Dienstag, 8. Januar 2008

Ski - ein norwegisches Wort

Hat sich schon einmal jemand Gedanken darüber gemacht, warum das Wort Ski wie "Schi" und nicht "Ski" ausgesprochen wird? Nein, hier handelt es sich um keine Ausnahme in der deutschen Sprache und auch derjenige, der auf einen englischen Ursprung tippt, liegt falsch. "Ski" kommt aus dem Norwegischen - wir haben es und von den Norwegern im 19. Jahrhundert geklaut. Ski bedeutet "Scheit" (gespaltenes Holz) oder "Schneeschuh". Die altnordische Urform des Wortes ist skíð.

Auch die "Loipe" haben wir uns von den Norwegern abgeschaut. "Loipe" wurde zudem "verdeutscht". Im Norwegischen sieht das Wort ein bisschen anders aus: Løype.

Also, wenn ihr das nächste Mal die Skier anschnallt und in die Loipe steigt, dann wisst ihr, dass es sich hier um eine zu tiefst norwegische Aktivität handelt.

Das sportliche Oslo

Wenn Schnee in Oslo fällt, zeigt sich die norwegische Hauptstadt von seiner schönsten Seite. Wenn es noch dazu sehr kalt ist, werden hier Wintermärchen wahr. Meterhoch liegt dann der Schnee und verzaubert die Landschaft.
Ein Zeichen dafür, dass der Winter wirklich da ist, sind die vielen Menschen, die mit ihren Langlaufskiern auf die U-Bahn warten. Das ist in Oslo einzigartig. Am Hauptbahnhof kann man mit den Skiern in die U-Bahn einsteigen und in einer halben Stunden ist man in einem wunderschönen und großen Skigebiet.

Da darf der Schnee schon noch ein bisschen liegen bleiben.